NACHRUF

Schwester Johanna Eichmann

„Sind sie jetzt Jüdin oder Christin?“ Dies war eine zentrale Frage ihres Buches, welches die Ursulinenschwester Johanna Eichmann im Juni 2013 vorstellte.
Ich kann mich noch sehr gut an den fast ausverkauften Vortragssaal des Jüdischen Museums erinnern. Die Rührung war Sr. Eichmann anzusehen. Sie war sehr bewegt, dass so viele Menschen bereit waren, sich diese Geschichte anzuhören. Diese Geschichte mit dem Titel „Die rote Johanna. Erinnerungen 1952-2012“, aus der die damals 87-jährige einige Seiten las.
Und ein bewegtes Leben, das hatte sie. 1926 in Münster als Ruth Eichmann geboren. Die Mutter Jüdin, der Vater Katholik, erhielt sie eine jüdische Erziehung. Darauf legten die Großeltern Wert, war doch ihr Vater das einzige Familienmitglied nicht jüdischen Glaubens. Dennoch wurde sie mit sieben Jahren katholisch getauft.
Dies wohl als Schutzmaßnahme gegen den aufbrandenden Nationalsozialismus. Außerdem hätte sie sonst keine Möglichkeit gehabt im damaligen Recklinghausen eine allgemeine Schule zu besuchen – dies untersagte eine Verordnung. Mit zehn Jahren hatte sie dann den ersten Kontakt mit den Ursulinen, deren Gymnasium besuchte sie bis zur Verstaatlichung 1942. Dort erhielt sie in dieser Zeit auch Schutz durch die Ordensschwestern, die ihre Herkunft geheim hielten. Leider blieb sie dennoch nicht von dem schrecklichen Regime verschont. In Berlin, wo sie nach einer Dolmetscherausbildung im französischen Kommissariat arbeitete, musste sie als „Halbjüdin“ selbst Zwangsarbeit verrichten. Von November 1944 bis März 1945.
Nach Kriegsende kehrte sie ins Ruhrgebiet zurück. In Münster und Toulouse studierte sie Germanistik und Romanistik.
Am 1.November 1952 trat sie dem Dorstener Ursulinenkonvent bei. Wurde vier Jahre später dann auch Lehrerin am Gymnasium St. Ursula. Hier hatte sie im weiteren Verlauf weitere Funktionen. 27 Jahre war sie dort Schulleitung, führte grundlegende Reformen ein. 1995 wurde sie bis 2007 Oberin des Dorstener Ursulinenkonvents. Die Schulleitung hatte sie 1991 bereits abgegeben. 1992 war sie Mitgründerin des Jüdischen Museum in Westfalen, dessen Leiterin sie bis 2006 war.

Dorsten verliert mit Schwester Johanna Eichmann nicht nur eine über das Maß engagierte Bürgerin, sondern auch eine Zeitzeugin eines nicht immer einfachen Lebens.
Wir danken ihr herzlich für ihr Lebenswerk.

Ihre Stimme ist verstummt, aber die Erinnerung an ihr Engagement und ihre Persönlichkeit wird in uns allen fortleben, Vorbild und Ansporn sein.
Wir werden sie stets in dankbarer Erinnerung behalten.

Im Namen des OV Grüne Dorsten
Thorsten Huxel

Der Lebensweg von Sr. Johanna Eichmann.

Foto: WAZ FotoPool

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